Eckart von Hirschhausen wird im Netz seit Monaten gezielt missbraucht. Sein Gesicht, seine Stimme und sogar seine Mimik landen in gefälschten Clips auf TikTok, Instagram und Facebook, wo plötzlich Pillen, Tropfen und Pulver gegen Bluthochdruck, Arthrose oder überflüssige Pfunde angepriesen werden.
Der Arzt und Moderator selbst hat dazu nie ein Wort gesagt. Trotzdem fallen jeden Tag Menschen auf diese KI-generierten Videos herein und verlieren teils mehrere Hundert Euro an dubiose Verkäufer aus dem Ausland.
Die Verbraucherzentrale NRW bekommt regelmäßig Meldungen von Betroffenen. In einem Fall hatte eine ältere Frau einem Clip mit angeblichen Bundespolitikern geglaubt, die ein Mittel gegen Herzbeschwerden empfahlen.
Am Ende war ihr Mann über 200 Euro los, ohne dass jemals ein brauchbares Produkt geliefert wurde. Ähnliche Geschichten gibt es zu Dutzenden, und die Zahl wächst mit jedem Monat, in dem KI-Tonspuren und KI-Videos noch realistischer werden. Selbst Profis tun sich inzwischen schwer, eine echte Aufnahme von einer synthetischen zu unterscheiden. Genau das nutzen die Drahtzieher gnadenlos aus, denn jede neue Generation von Werkzeugen macht den Schwindel überzeugender.
Hirschhausen gegen Meta
Hirschhausen selbst hat zwei Jahre lang vor dem Oberlandesgericht Frankfurt gegen Meta gekämpft, bis der Konzern überhaupt zugab, dass die Clips gefälscht sind. Eine echte Lösung ist daraus nicht entstanden.
Neue Fälschungen tauchen schneller auf, als alte gelöscht werden. Genau deshalb raten Verbraucherschützer mittlerweile sehr deutlich dazu, bei jeder Promi-Reklame für Gesundheitsprodukte erstmal innezuhalten und nicht direkt draufzuklicken.
Die Cybersicherheitsfirma SurfShark hat ausgerechnet, dass weltweit im vergangenen Jahr rund 930 Millionen Euro durch Deepfake-Maschen ergaunert wurden.
Ein großer Teil davon entfällt auf gefälschte Gesundheitsanzeigen, weil sich gerade ältere Menschen und Personen mit chronischen Beschwerden leicht ansprechen lassen. Angepriesen werden angebliche Wunder gegen Arthrose, Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es keine, wie die Deutsche Herzstiftung mehrfach klargestellt hat.
Deepfake zu echt
Wer einmal weiß, worauf zu achten ist, erkennt die Maschen relativ schnell wieder. Die Lippen passen oft nicht ganz zur Tonspur, die Stimme hat einen leicht blechernen Beiklang, und die Bewegungen sehen ein bisschen ruckartig aus.
Sobald ein Arzt im Video Medikamente empfiehlt, sollte sowieso jede Alarmglocke schrillen, denn diese Form der Reklame ist in Deutschland schlicht verboten und ein klares Indiz für eine KI-Fälschung. Wer trotzdem neugierig ist, kann verdächtige Clips über das Portal deepfake-total.com vom Fraunhofer Institut hochladen und dort kostenlos prüfen lassen.
Diese Produkte stehen aktuell auf der Warnliste
Die Verbraucherzentrale hat eine ganze Reihe von Mitteln zusammengetragen, zu denen auffällig viele Beschwerden eingehen. Wer einen dieser Namen in einem Social-Media-Clip mit angeblicher Promi-Empfehlung sieht, sollte den Finger sofort vom Kaufen-Button lassen:
- Cardirin Tropfen (MayProducts Europe UAB, Litauen)
- Cardio Balance
- Cardiotensive
- CardiOne
- Cardiotonus
- Mi-Cardium / MiCardium
- Viscerex
- Herzena
- Blutforde
- Slimysol
- Cardital (MayProducts), aktuell Spitzenreiter bei Beschwerden
- Cardiavital
- Lipoxanthin Kapseln (Feelvita)
- Flexosamine
- Artizynt und Artizynt Gel
- Artodip Gel
- Memosan Aktiv
- Nervicil
- Hepaliv
- Parazax
- Menvigo und Menvigo Prosta
Bei diesen Mitteln werden immer wieder die gleichen Maschen gefahren: angebliche Lebensverlängerung um zehn bis fünfzehn Jahre, falsche RTL-Logos im Hintergrund, dramatische Kundenstories und ein zeitlich begrenztes Sonderangebot, das natürlich nie wirklich ausläuft. Die Deutsche Herzstiftung hat dazu klare Worte gefunden: Bei Herz-Kreislauf-Problemen gehört man in ärztliche Hände, nicht zu einem litauischen Online-Shop mit gefälschter TV-Reklame.
Auch der Service danach ist ein Problem. Wer bei einem Mittel aus dem Ausland Geld zurück haben möchte, steht oft vor verschlossenen Türen. Eine Adresse gibt es selten, ein Ansprechpartner antwortet nur auf Englisch oder gar nicht, und die Zahlung lässt sich kaum noch zurückholen. Genau deshalb sind die Empfehlungen der Verbraucherschützer so eindeutig: erst gar nicht bestellen.
Häufige Fragen zur Promi-Falle im Netz
Achte auf Lippen, die nicht ganz zur Tonspur passen, eine etwas blecherne Stimme und ruckartige Kopfbewegungen. Auch verwaschene Hintergründe oder seltsam gleichbleibende Mimik sind ein deutliches Warnsignal.
Sofort die Bank kontaktieren und versuchen, die Zahlung rückgängig zu machen. Anschließend den Fall bei der örtlichen Verbraucherzentrale melden und eine Anzeige bei der Polizei aufgeben. Screenshots der Anzeigen unbedingt sichern, damit du etwas in der Hand hast.
In den allermeisten Fällen ja. Echte Ärzte dürfen in Deutschland gar keine Medikamente vermarkten, das ist gesetzlich untersagt. Sobald also ein bekannter Mediziner Pillen oder Tropfen empfiehlt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um eine KI-Fälschung handelt.
Das Online-Portal deepfake-total.com vom Fraunhofer Institut prüft verdächtige Videos kostenlos. Außerdem hilft fakeshopfinder.de bei der Einschätzung dubioser Online-Shops. Jede regionale Verbraucherzentrale ist ebenfalls ein guter erster Ansprechpartner.
Eckart von Hirschhausen musste zwei Jahre vor Gericht ziehen, bis Meta sich überhaupt verpflichtete, gemeldete Clips zu entfernen. In der Praxis tauchen die Fälschungen aber schneller wieder auf, als sie gelöscht werden können. Das System reagiert also nur sehr schleppend.