Wer beim Einkaufen vor dem Regal mit Olivenöl steht, fragt sich oft: Welches davon ist wirklich gut? Die Stiftung Warentest hat sich im Januar 2026 genau das angeschaut und 25 Olivenöle durchgecheckt. Die Ergebnisse sind unterschiedlich.
Von den 25 getesteten Ölen der Güteklasse nativ extra haben nur vier die Note gut bekommen. Acht Produkte sind sogar durchgefallen und wurden mit mangelhaft bewertet. Der Rest liegt irgendwo dazwischen.
Die Preise der getesteten Öle reichen von etwa 8 Euro bis 54 Euro pro Liter. Interessant ist: Ein hoher Preis bedeutet nicht das es gute Qualität ist. Gleichzeitig findet sich den günstigen Ölen auch nicht unbedingt ein Schnäppchen mit Top-Geschmack.
Welche Öle haben gut abgeschnitten?
Vier Olivenöle teilen sich die vorderen Plätze:
- Cillo Mono Natives Olivenöl extra Coratina mit etwa 54 Euro pro Liter
- Alnatura Olivenöl nativ extra (Bio) für rund 14 Euro pro Liter
- Mitos Griechisches biologisches natives Olivenöl extra (Bio)
- Bertolli Originale Natives Olivenöl extra
Diese Öle wurden als mittelfruchtig, grün und ausgewogen beschrieben. Im Geschmack fanden die Prüfer Noten von grüner Mandel, Apfel und leichte Bittertöne.
Was ist bei den schlechten Ölen schiefgelaufen?
Bei den acht mangelhaften Produkten gibt es zwei Hauptprobleme:
Geschmackliche Fehler: Einige Öle schmecken ranzig, stichig oder modrig. Das passiert, wenn Oliven vor dem Pressen anfangen zu gären oder wenn das Öl zu lange Kontakt mit Sauerstoff hatte. Nach EU-Vorgaben darf ein Öl der höchsten Güteklasse eigentlich keine solchen Fehler haben.
Schadstoffe: Drei Öle waren stark mit Mineralölbestandteilen belastet. Ein Bio-Olivenöl enthielt zu viel vom Weichmacher DBP. Wichtig dabei: Keines der Öle ist akut gesundheitsgefährdend.
Aldi mit überraschendem Ergebnis
Die beiden Eigenmarken von Aldi, Bellasan und Aldi Bio, haben beide die Note mangelhaft bekommen. Das ist bemerkenswert, weil dieselben Produkte im Vorjahr noch deutlich besser abgeschnitten hatten. Das Bellasan-Öl war 2025 sogar als Preistipp empfohlen worden.
Der Grund für solche Schwankungen liegt oft im Wechsel der Lieferanten. Gerade bei günstigen Eigenmarken herrscht ein starker Preisdruck. Das kann dazu führen, dass die Qualität von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich ausfällt.
Was steckt hinter der Bezeichnung nativ extra?
Nativ extra ist die höchste Güteklasse für Olivenöl. Sie bedeutet:
- Das Öl wurde mechanisch gewonnen, also gepresst oder zentrifugiert
- Es wurde nicht erhitzt oder chemisch behandelt
- Es darf keine sensorischen Fehler haben
- Bestimmte chemische Grenzwerte müssen eingehalten werden
Im aktuellen Durchgang wurden 24 Öle dieser Kategorie geprüft, dazu kam ein natives Olivenöl der zweithöchsten Klasse.
Wie wurde getestet?
Die Gesamtnote setzt sich aus mehreren Teilen zusammen:
Das sensorische Urteil macht 50 Prozent der Note aus. Dabei prüfen geschulte Olivenöl-Experten Geschmack und Geruch. Sie achten auf positive Eigenschaften wie fruchtig, bitter und scharf, aber auch auf mögliche Fehler.
Die chemische Qualität fließt mit 10 Prozent ein. Hier wird untersucht, ob das Öl zu alt ist oder falsch gelagert wurde.
Schadstoffe werden mit 20 Prozent gewichtet. Geprüft wird auf Pestizide, Mineralöle, Weichmacher und andere unerwünschte Stoffe.
Die Verpackung macht 5 Prozent aus, die Deklaration auf dem Etikett 15 Prozent.
Was bedeutet das für den Einkauf?
Die Ergebnisse zeigen, dass gutes Olivenöl schwieriger zu finden ist als früher. Die Qualität schwankt nicht nur zwischen Marken, sondern auch bei ein und demselben Produkt von Jahr zu Jahr.
Ein paar Hinweise können beim Einkauf helfen:
Auf das Mindesthaltbarkeitsdatum achten: Je frischer das Öl, desto besser. Olivenöl ist ein Naturprodukt und verliert mit der Zeit an Qualität.
Dunkel und kühl lagern: Licht und Wärme lassen Olivenöl schneller altern. Dunkle Flaschen oder Kanister schützen den Inhalt besser.
Nicht vom Preis blenden lassen: Teuer heißt nicht automatisch gut. Umgekehrt kann ein günstiges Öl durchaus ordentlich sein, wie die geteilte Spitzenposition zwischen dem 54-Euro-Öl und dem 14-Euro-Bio-Öl zeigt.
Ein positiver Aspekt
Die Gehalte an Polyphenolen sind bei den aktuell geprüften Ölen wieder leicht gestiegen. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die als gesundheitsfördernd gelten. Sie können Zellen vor schädlichen Einflüssen schützen. Alle untersuchten Öle enthielten davon ausreichend.
Warum die Qualität insgesamt sinkt
Der Klimawandel macht der Olivenproduktion zu schaffen. Hitzewellen und Wasserknappheit wirken sich auf die Qualität aus. Die Stiftung Warentest beobachtet diesen Trend bereits seit mehreren Jahren.
Gleichzeitig war die Ernte 2024/25 wieder ertragreicher, was die Preise etwas gesenkt hat. Im November 2025 kostete Olivenöl im Schnitt etwa 17 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Die Untersuchung der Stiftung Warentest 2026 zeigt ein gemischtes Bild. Vier Produkte schneiden gut ab, darunter sowohl ein teures Gourmet-Öl als auch ein Bio-Produkt für unter 15 Euro pro Liter.
Acht Öle fallen durch, weil sie geschmacklich fehlerhaft sind oder zu viele Schadstoffe enthalten. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, greift zu den gut abschneidenden Produkten oder informiert sich vor dem Kauf über aktuelle Prüfergebnisse.